Polizeisprecher Eidenberger im Talk

13. Februar 2018 09:25; Akt: 13.02.2018 09:30 Print

Polizei erklärt: Das dürfen unsere Leserreporter!

Sogenannte Gaffer sorgen bei Unfällen für hitzige Debatten. "Heute" sprach mit der Polizei über einen verantwortungsvollen Umgang mit der Thematik.

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Leserreporter sind in letzter Zeit unter Beschuss geraten - Kritiker stellen sie unter Generalverdacht, die Einsatzkräfte durch Filmen oder Fotografieren zu behindern und die Grenzen der Privatsphäre zu überschreiten.

Aber nicht nur medial wird die Gaffer-Problematik stark diskutiert. Auch in der "Heute"-Redaktion sorgt das Thema für Gesprächsstoff. Schließlich können wir Redakteure nicht überall gleichzeitig sein – und sind in unserer täglichen Arbeit auch auf Leserreporter und Informanten angewiesen. Was diese dürfen und wo die Grenzen liegen, darüber informieren wir regelmäßig. Aber Sie müssen sich nicht nur auf uns verlassen: Auch Polizeisprecher Paul Eidenberger (siehe unten) bringt Licht in die Debatte.

Was darf ich, was nicht?

Sie sind gerade dabei, einen Schnappschuss von einem Vorfall zu schießen? Denken Sie dabei als erstes an die Privatsphäre der beteiligten Personen (Unfallopfer, Verletzte). Bringen Sie sich und andere nicht in Gefahr! Ebenfalls oberstes Gebot: Einsatzkräfte dürfen durch das Fotografieren oder Beobachten auf keinen Fall bei ihrer Arbeit behindert werden.

Muss ich Personen oder Nummerntafeln unkenntlich machen?

Darüber brauchen Sie sich als Leserreporter keine Gedanken zu machen. Das ist nämlich die Aufgabe der "Heute"-Redaktion und die Redakteure müssen bei der Veröffentlichung die Persönlichkeitsrechte wahren.

Das ganze Interview mit Polizei-Pressesprecher Paul Eidenberger

Heute: Kann man den Begriff "Gaffer" definieren?
Paul Eidenberger: "Es gibt keine allgemeine Definition. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man darunter einen Schaulustigen, der der etwas wahrnimmt, sich dazustellt und zuschauen möchte."

Heute: Gibt es Strafen, wenn Gaffer die Einsatzkräfte behindern sollten?
Eidenberger: "Im Gegensatz zu Deutschland, wo es eine eindeutige Judikatur gibt, ist es in Österreich so, dass das behindern der Einsatzkräfte, bzw. das Gaffen, an sich nicht verboten ist. Es kann aber sein, dass wenn man schaulustig ist, eine andere Aktion setzt, die verwaltungsrechtlich relevant ist. Hier könnte eine Ordnungsstörung zur Anzeige gebracht werden. Das muss aber immer individuell betrachtet werden."

Heute: Was darf ein Leserreporter eigentlich?
Eidenberger: "Es ist nicht verboten Fotos zu schießen. Es ist nicht verboten bei einem Einsatz zuzuschauen. Man darf natürlich nicht, das sagt einem wohl auch der Hausverstand, die Einsatz- und Rettungskräfte blockieren, die womöglich versuchen hier ein Leben zu retten. Bei Leserreportern ist es oft der Fall, dass Sie sich Geldleistungen versprechen und deshalb pietätlose Fotos machen, von Selbstmorden oder tragischen Unfällen. Hier ist es möglich, dass polizeiliche Anzeigen gemacht werden. Das muss allerdings individuell betrachtet werden. Es kann aber sein, dass man hier zivilrechtliche Verstöße setzt, da jeder Persönlichkeitsrechte hat und diese verletzt werden können."

Heute: Welche Gefahren entstehen bei Aufnahmen, die beim Autofahren gemacht werden?
Eidenberger: "Wenn man mit dem Auto fährt, soll man sich natürlich auf den Verkehr fokussieren und nicht fotografieren. Handy am Steuer ist verboten und wird dementsprechend auch zur Anzeige gebracht. Außerdem ist man vom Verkehrsgeschehen abgelenkt, und konzentriert sich nicht auf den entstehenden Stau. So passieren immer wieder Auffahrunfälle."

Heute: Was darf ein Leserreporter auf keinen Fall tun?
Eidenberger: "Macht man Fotos von Unfällen oder Einsätzen, darf man natürlich nicht die Einsatzkräfte behindern. Das ist das Allerwichtigste! Man soll auch nicht den Straßenverkehr behindern, in dem man stehen bleibt und schaut. Es sollten die Rechte jener in Betracht gezogen werden, die hier persönlich am Unfall beteiligt sind - wenn beispielsweise jemand gestorben oder schwer verletzt ist. Diese Person hat auch Angehörige, die dieses Bild möglicherweise in der Zeitung sehen. Hier muss man Rücksicht walten lassen."

Heute: Was soll man tun, wenn man Zeuge eines Tatbestandes wird?
Eidenberger: "Wird man als Privatperson Zeuge eines Raubes oder Diebstahls, kann man, soweit es die Sicherheit erlaubt, durchaus Aufnahmen machen, die dann vor Gericht als Beweismittel gelten können. Wichtig ist aber, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen."

Heute: Darf man Beamte bei einem Einsatz filmen?
Eidenberger: "Das Filmen von Beamten und Polizeieinsätzen ist natürlich erlaubt. Man befindet sich ja oft im öffentlichen Raum, in dem jeder filmen darf, wie er möchte. Dennoch sollte man immer mitdenken: Die Polizisten sind nicht nur als Organwalter des Staates tätig, sondern auch Männer und Frauen, die in diesen Uniformen stecken und auch Persönlichkeitsrechte haben."

Heute: Ist es in Wien ein Sichtschutz bei Einsätzen aufgrund des Verkehrsaufkommens umsetzbar?
Eidenberger: "Der Sichtschutz wird derzeit diskutiert. Er ist in anderen Bundesländern fallweise im Einsatz. Man hört auch, dass dieser Sichtschutz durchaus Sinn macht. In Wien wird das in diversen Stellen angedacht. Aber das Grundproblem ist ein anderes, nämlich das, dass der Sichtschutz überhaupt notwendig ist."

(mz/vegas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wolfgang am 09.02.2018 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Filmen im öffentlichen Raum

    Dann soll mir Hr. Eidenberger erklären warum ich nicht mit einer Dashcam in meinen Auto filmen darf. Laut seiner aussage darf im öffentlichen Raum jeder filmen was er will.

    einklappen einklappen
  • DerHeuteLeser am 13.02.2018 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Manche werden es...

    nie verstehen. Sie können filmen was sie wollen. Sich selbst, andere, den Wind... Interessiert niemanden. Aber!! Behindern Sie keine Einsatzkräfte dabei, die alles in ihrer Macht stehende tun, einem Menschen das Leben zu retten. Bei manchen Einsätzen würde ich am liebsten das Handy abnehmen und gegen die Wand donnern, wenn man einem Patienten hilft und ein Schaulustiger 1 Meter hinter mir steht und mir über die Schulter filmt. Das muss echt nicht sein. Denken Sie immer daran es könnten Angehörige sein, die hier liegen und keine Hilfe bekommen, weil Sie im Weg stehen!

  • derwiener am 09.02.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    persönlichkeitsrecht

    da ja einsatzkräfte auch ein persönlichkeitsrecht haben, dürfen dann eigentlich die gesichter gezeigt werden oder müssen dieser auch vor der bildveröffentlichung unkenntlich gemacht werden?

Die neusten Leser-Kommentare

  • DerHeuteLeser am 13.02.2018 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Manche werden es...

    nie verstehen. Sie können filmen was sie wollen. Sich selbst, andere, den Wind... Interessiert niemanden. Aber!! Behindern Sie keine Einsatzkräfte dabei, die alles in ihrer Macht stehende tun, einem Menschen das Leben zu retten. Bei manchen Einsätzen würde ich am liebsten das Handy abnehmen und gegen die Wand donnern, wenn man einem Patienten hilft und ein Schaulustiger 1 Meter hinter mir steht und mir über die Schulter filmt. Das muss echt nicht sein. Denken Sie immer daran es könnten Angehörige sein, die hier liegen und keine Hilfe bekommen, weil Sie im Weg stehen!

  • Fred von Jupiter am 11.02.2018 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Judikatur

    Die Judikatur ist klar. Filmen und fotografieren darf jeder alles. Die Veröffentlichung - und dazu zählt auch das Weiterleiten an Medien, egal ob öffentliche, oder soziale Netzwerke - stellt einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar und ist daher ohne Zustimmung der gezeigten Person strafbar. Das sollte sich auch die "heute"-Redaktion hinter die Ohren schreiben, bevor sie Bilder in Netz und Printmedien stellt.

  • Gerd am 11.02.2018 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sagt das dashcam verboten sind ?

    klar sind dashcam erlaubt , man darf das gefilmte nur nicht veröffentlichen ohne die personen oder kennzeichen anderer unkenntlich zu machen

  • derwiener am 09.02.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    persönlichkeitsrecht

    da ja einsatzkräfte auch ein persönlichkeitsrecht haben, dürfen dann eigentlich die gesichter gezeigt werden oder müssen dieser auch vor der bildveröffentlichung unkenntlich gemacht werden?

  • Wolfgang am 09.02.2018 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Filmen im öffentlichen Raum

    Dann soll mir Hr. Eidenberger erklären warum ich nicht mit einer Dashcam in meinen Auto filmen darf. Laut seiner aussage darf im öffentlichen Raum jeder filmen was er will.

    • SockenRambo am 09.02.2018 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wolfgang

      Filmen darf man alles, nur darf man es nicht ohne Zustimmung veröffentlichen, bzw muss die Person durch verpixeln unkenntlich machen..

    • Fritz am 10.02.2018 09:54 Report Diesen Beitrag melden

      Lesereporter

      Sobald ich aufnahmen an dritte weitergebe ohne zu verpixeln mach ich mich schon strafbar. Auch wenn die Zeitung sagt sie macht das wenn sie Bilder bekommen. Also macht sich ein sogenannter Lesereporter strafbar wenn er unverpixelte Bilder an die Zeitung weitergibt. Die aussage wir machen das ja vor der veröffendlichung ist ein aufruf zu einer strafrechtlich verfolgbaren Tat.

    • Brigitte Mayer am 12.02.2018 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      filmen

      es geht doch gar nicht so um was darf ich filmen oder nicht? es geht lediglich um das thema, das es einfach nicht sein kann, wenn Verletzte Hilfe benötigen, das ich vor lauter Geilheit im Weg stehe und die Einsatzkräfte behindere. wenn ihr in der Situation wärt, würdet ihr wahrscheindich anders denken.

    • Erwin am 02.03.2018 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wolfgang

      Wolfgang Ich würde mich freuen wenn du mal nur durch Zufall eventuell irgendjemanden aus meiner Familie filmst oder Fotos ins Netz stellst kannst dich ja dann auch gleich darauf einstellen das ich dich so verklage das dir schwarz vor Augen wird! Mfg

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