Eat this!

20. Mai 2019 15:15; Akt: 20.05.2019 15:15 Print

Muss ich meine Wurst bald bei den Rauchern essen?

Es geht um die Wurst. Wer sie isst, muss sich beinahe dafür rechtfertigen. Warum Ideologien nichts auf den Tellern zu suchen haben.

 (Bild: iStock)

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"Wenn das so weiter geht mit den Veganern, muss ich meine Wurst noch bei den Rauchern essen". Ich fand diesen Spruch so unglaublich treffend für die aktuelle Diskussion in der Ernährung und Umwelt, darum habe ich ihn auf meiner privaten Facebook Seite gepostet. Doch was dann geschah, hat selbst meine "kühnsten" Erwartungen übertroffen.

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Der Spruch zeigt doch so unglaublich klar auf, wie erfolgreich heute Medien, Influencer und natürlich auch verschiedene vegetarische Publikationsmittel für ihre Sache kämpfen und "aufklären". Ein großer Teil der Bevölkerung scheint bereits das Gefühl zu haben, in der Minderheit zu sein und etwas Verbotenes zu tun. Und es ist sicher auch so, dass die Diskussion rund um eine Ethik und Ökologie in der Ernährung auch wichtig und richtig ist.

Wurstesser als "Massenmörder" beschimpft

Doch als ich den Spruch gepostet habe, da öffnete sich die vegane Hölle. Wer so etwas schreibe, der verteidige auch Massenmörder, Kinderschänder und sollte gevierteilt werden wie im Mittelalter, war noch etwas vom Mindesten, was gepostet oder als Nachricht geschickt wurde. Ich muss zugeben, ich war doch zuerst sehr erstaunt über eine solche Vehemenz.

Doch wenn man bedenkt, dass Veganismus keine Ernährungsweise, sondern eine ethische Grundhaltung ist, dann versteht man auch, warum einige als Kreuzritter ohne Rücksicht auf Verluste missionieren. Dass sie damit aber vor allem genau den Respekt mit Füßen treten, den sie eigentlich vertreten wollen, geht im allgemeinen Kampfgetöse unter. Sie vergessen, dass wir heute die großen Probleme der Gesellschaft nicht gegeneinander lösen können, sondern nur miteinander.

Veganismus ist doch kein Kampfmittel

Doch hier liegt das Hauptproblem der heutigen Ernährung an sich. Sie ist heute nicht einfach essen. Genuss ist vorbei, die Funktion muss sein. Wir wollen uns ja von den anderen unterscheiden. Kleider machen Leute, Teller aber auch. Wenn an einem Tisch alle nach fünf Minuten "erfahren" müssen, dass er oder sie vegan ist und die einzig richtige Ernährung pflegt, wer würde dann nicht lieber den Tisch wechseln. Wir retten doch das Klima nicht mit dem anderen eine schlechte Ernährung vorzuwerfen und ihn zu beschuldigen.

Doch wer den veganen Gedanken nicht als Ethik versteht, sondern als Kampfmittel braucht, um die Welt auf den "richtigen Weg" zu führen, der sollte vielleicht einmal seine eigene Position überdenken. Er schadet mehr dem veganen Grundgedanken und vielen veganen Menschen, die den Lebensstil bewusst gewählt haben und nicht jeden Tag damit hausieren gehen müssen.

Essen ist mehr als Identitätsbildung

Wir alle sollten uns lösen von absoluten Verboten oder Wahrheiten in der Ernährung. Eine Ideologie hat schon gar nichts verloren am Küchentisch. Essen soll verbinden und nicht ein neuer Kriegsschauplatz sein, der in Gut und Böse einteilt. Natürlich sollten wir über Ethik, Ökologie und Respekt vor dem Leben nachdenken und dies natürlich auch bei unseren Lebensmitteln.

Schließlich sollte aber jeder seine eigene Wahl treffen dürfen und dies ohne Druck von außen. Denn Essen ist mehr als ein Teil der Identitätsbildung. Wenn jemand Lust hat auf ein bestimmtes Lebensmittel, kann das sehr wohl Sinn machen, auch wenn es sogar bei einem Veganer manchmal Fleisch ist.

In diesem Sinne wünschte ich mir etwas mehr Toleranz beim Essen und vor allem weniger Verbote, welche nur Druck und Unfrieden schaffen. Denn dann hören wir auch einander zu und können gemeinsam auch ökologisch etwas bewegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Thai am 20.05.2019 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut beschrieben

    denn jeder soll essen was er will. Aber nicht anderen auf die Nerven gehen.

  • Martin R. am 20.05.2019 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ungesunde Ernährung

    Schaut Euch doch Veganer an. Die schauen alles andere als Gesund aus. Fahle weiße Haut kein Fleisch auf den Rippen und die Leistungsfähigkeit sinkt. Da wäre ich auch äuserst angespannt. Mediziner stehen dem auch sehr skeptisch gegenüber. Eine ausgewogene Ernährung beinhaltet nun einmal Fleisch und Fischprodukte.

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  • Francis Lane am 20.05.2019 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    ich mache keinen Unterschied

    Also bei mir als Raucher steht jedem die Tür offen, ob Veganer oder nicht. sind wir wieder bei dem Punkt: sobald was ins extreme geht, wirds haarig, da ist das Thema um das es geht dann Nebensache.... und arg finde ich wenn Veganer andere Lebewesen am liebsten vierteilen würden... ist das nur für mich ein Paradoxon?

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Maddin am 21.05.2019 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mag beides

    Gut geschriebener Text. Und jeder sollte das Essen was er möchte! Ich kenne einige Leute die mit ihrem Veganismus jeden damit bekehren wollen, genauso kenn ich viele Leute die jene beschimpfen & beleidigen die sich eben nur Vegan ernähren, warum die das tun ist mir bis heute ein Rätsel. Und natürlich kann man sich als Veganer so ernähren damit man keine blasse Haut bzw irgendwelche Leistungseinbuße hat. Zeigt zB ein Freund von mir der Hochleistungssportler ist und sich seit 10 Jahren vegan ernährt.

  • Susen am 21.05.2019 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Knackwurst

    Mein Gott ist doch jedej seine Sache ist sozusagen Wurscht.

  • Fritz Trözter am 21.05.2019 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal

    Es wurde beim Arbeiten, sogar live im Fernsehen, geraucht, getrunken, Fleisch gegessen. Das Land wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut. Wir sind zum Mond geflogen. Die Industrie wurde groß. Praktisch alle größeren Erfindungen die wir heute nutzen wurden in den 50er bis 70er Jahren entwickelt vom Flugzeug bis zum Computer. Es gab kein Burnout und kein Divers als Geschlecht. Und Schnitzel mit Pommes ohne EU Regeln. Es war einmal.....

  • Michel Fliegl am 21.05.2019 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Mimimi

    Und ich würde mir weniger Mi-mi-mi und nutzlos-plakative Artikel wie diesen hier wünschen. Der Verfasser hat nämlich nicht begriffen worum's überhaupt geht : nicht um verbieten, ächten oder persönliche Ver grätzheit sondern um Ethik, bewussteres Essen und Empathie für die geschundene Kreatur. Wir Menschen brauchen mehr Demut und weniger Konsumverhalten denn diese Erde gehört nicht uns allein.

  • Hubert Huber am 21.05.2019 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Blutrünstige Veganer

    Das ist ja nur Narretei, aber manche Veganer sind scheinbar blutrünstig gegen Fleisch- und Wurstesser unterwegs, dass einem ganz schlecht wird.