07. Mai 2020 07:59; Akt: 08.05.2020 08:55 Print

1. Superfood: Forscher kopieren Muttermilch im Labor

Muttermilch wird als erstes Superfood bezeichnet. Forscher wollen die Säuglingsnahrung im Labor nachbauen und eine Alternative zu Ersatzernährung schaffen.

Erste Muttermilch-Bank des Landes

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Laut WHO-Empfehlung sollten Säuglinge mindestens sechs Monate gestillt werden. Nicht immer ist das mit der eigenen Muttermilch der Frau möglich.

Bei einem Mangel an Muttermilch gibt es bislang nur die Möglichkeit eines künstlichen, tierischen Milchersatzes, meist in Form von Milchpulver. Daher versuchen Forscher schon seit langem, eine Alternative zu erzeugen. "Biomilq", ein US-amerikanisches Start-up möchte diese Lücke nun schließen und Muttermilch im Labor herstellen.

"Es ist nicht jedem bewusst, aber jede derzeit verfügbare künstliche Säuglingsnahrung wird aus Kuhmilch gewonnen und man führt artfremdes Eiweiß zu. Ich bezweifle aber, dass Kunstmilch jemals an die Milch der Mutter herankommen wird", erzählt Gudrun Böhm, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz gegenüber dem Kurier.

Die beiden Gründerinnen, Lebensmittelwissenschafterin Leila Strickland und Zellbiologin Michelle Egger, berichten bereits von ersten Erfolgen. Ihnen sei es gelungen, Brustzellen zu züchten und zwei wichtige Bestandteile nachzubilden.

Muttermilch als erstes Superfood

Die Muttermilch ist ein komplexes System. Dort ist alles enthalten, was ein Baby für die gesunde Entwicklung braucht, weiß Böhm. Den allergrößten Anteil macht mit 90 Prozent Wasser aus. In den restlichen zehn Prozent befinden sich Proteine, Milchzucker, Fette, Mineralstoffe, Vitamine, Antikörper und Zellen für die Infektabwehr, so Böhm weiter.

Die Verteilung dieser Anteile ist nicht dem Zufall überlassen. So hat die US-amerikanische Evolutionsbiologin Katie Hinde von der Arizona State University bereits in mehreren Studien bewiesen, dass das Geschlecht des Babys sowohl für die Zusammensetzung als auch die Menge der Milch eine Rolle spielt. Bei Jungen befinden sich mehr Proteine und Fett in der Muttermilch, bei Mädchen ist der Milchanteil höher.

Milchdrüsen als Kommunikationsmittel von Säuglingen

Außerdem erstaunlich: Brust und Säugling kommunizieren miteinander und die Milchproduktion in den Drüsen passt sich der veränderten Entwicklung des Kindes an. "Beginnt das Kleinkind, die Natur auf allen vieren zu erkunden, liefert sie Abwehrstoffe gegen Keime in der Erde, die es sich in den Mund steckt", sagt Böhm. Später beugt sie Allergien und Asthma vor.

Doch nicht immer funktioniert dieses System so, wie es soll. Kritik übt Böhm an dem durch Soziale Medien verschärften idealisiertem Bild einer stillenden Mutter, das fälschlicherweise den Eindruck erweckt, Stillen sei ein Kinderspiel. Immerhin entwickelt ein Fünftel aller Frauen eine schmerzhafte Drüsenentzündung. Einige Mütter produzieren zudem zu wenig Milch, um den Säugling allein zu versorgen. Hier hat die Medizinerin einen Trost parat: Mit jeder Schwangerschaft steigt die Milchdrüsen-Produktion - und bald könnte es schließlich einen fast perfekten Ersatz geben.

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(GA)

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