26. März 2020 06:00; Akt: 26.03.2020 12:10 Print

Corona: Senioren müssen 500 € fürs Eincremen zahlen

Ernestine Zanger (96) lebt im Wohnpark Fortuna in Döbling. Weil Besuche wegen des Corona-Virus untersagt sind, wird ihr Zustand immer schlechter.

Georg Zanger (72) mit seiner Mutter Ernestine Zanger (96).                             (Bild: Helmut Graf)

Georg Zanger (72) mit seiner Mutter Ernestine Zanger (96). (Bild: Helmut Graf)

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Ernestine Zanger (96) bewohnt seit fast 20 Jahren ein Appartement im Wohnpark Fortuna in Döbling. Die Pensionistin leidet unter hohem Blutdruck, hat einen Bypass, und vor zwei Jahren erlitt sie einen Schlaganfall. Mehrmals pro Woche besuchte sie ihr Sohn, Anwalt Georg Zanger (72). Doch aufgrund des Corona-Virus sind Besuche derzeit untersagt. Die 96-Jährige ist verzweifelt: "Ich bin einsam und habe Angstzustände. Aber ich darf mit niemanden sprechen", so die 96-Jährige zu "Heute".

Das Besuchsverbot betrifft auch enge Verwandte und die Privat-Pflegerin. Zudem ist der Kontakt zu anderen Heimbewohnern im Wohnpark aus Sicherheitsgründen von der Geschäftsleitung untersagt worden: "Seitdem leidet meine Mutter extrem, hat jeden Lebenswillen verloren. Sie braucht einfach den Familienbezug. Ich habe große Angst um sie", erklärt Georg Zanger.

Privat-Pflegerin ist nicht erlaubt

Leistungen wie Hilfe beim An- und Ausziehen werden nun vom Pflegepersonal des Heims übernommen – gegen Entgelt: "Die Leistungen werden zu sehr hohen Preisen angeboten, sodass meine Mutter finanziell stark belastet ist. Allein das Appartement kostet schon 1.700 Euro im Monat", meint Zanger. Laut dem Anwalt wird etwa für Frühstück bringen, Küche säubern und Rücken eincremen pro Monat 500 Euro verlangt. "Zudem wohnen die Pflegerinnen außerhalb und haben mit nahezu allen Heimbewohnern Kontakt. Die Ansteckungsgefahr ist daher wesentlich größer", so der Anwalt.

"Besuch nur, wenn es Bewohner sehr, sehr schlecht geht"

Auf "Heute"-Nachfrage weist Fortuna-Geschäftsführerin Judith Hackl die Kritik zurück: "Wir halten uns sehr strikt an die Empfehlungen der Bundesregierung und haben die Kontakte stark reduziert. Eine Ausnahme für einen Besuch ist nur dann möglich, wenn es einer Bewohnerin sehr, sehr schlecht geht. Wir versuchen derzeit, Telefongespräche zu vermitteln, Tablets mit Skype einzurichten und kaufen gratis für die Bewohner ein."

Laut Hackl gibt es derzeit unter den rund 420 Bewohnern im Wohnpark Fortuna weder einen Coronavirus-Verdachtsfall noch eine -Erkrankung: "Die Pfleger tragen daher normale OP-Masken." Dem widerspricht Zanger: "Die Pfleger tragen keine Schutzmasken."

Sollte es einen Verdachtsfall oder eine erkrankte Person geben, wird diese laut Hackl isoliert: "Eine eigene Pflegerin kümmert sich dann ausschließlich um sie, trägt dabei eine FFP2-Maske, einen Kittel und Handschuhe."


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(cz)

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