Drogen und Überfälle

12. Juni 2019 15:06; Akt: 12.06.2019 16:05 Print

So gefährlich sind die Jugendbanden in Wien

Das Magazin "Biber" interviewte minderjährige Gang-Mitglieder in Wien. Raubüberfälle, Schlägereien und Drogendeals stehen an der Tagesordnung.

Ein Prügel-Video aus der Seestadt entfacht die Debatte über Jugendgewalt neu.
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Erst vor kurzem wurde ein 15-Jähriger in der Seestadt Aspern in Wien-Donaustadt von einer Teenie-Gang brutal zusammengeschlagen, wir berichteten. Ein Video von der Tat schockierte im Netz. Das Jugendamt prüft den Vorfall, Ermittlungen der Polizei laufen.

Die Prügel-Attacke ist leider kein Einzelfall. Gleich mehrere Jugendgangs sind derzeit in Wien aktiv, die jüngsten Mitglieder sind noch nicht einmal 14 Jahre alt. Das Magazin "Biber" hat in der Szene recherchiert und Angehörige der Gangs interviewt. "Ich habe die Jugendlichen über Instagram kontaktiert", erzählt Autorin Aleksandra Tulej. "Sie zeigen Waffen und posten Videos und sind stolz darauf." Die Journalistin (27) verwendete viel Zeit, um Vertrauen zu den Teenie-Gangstern aufzubauen. "Bis zu einem Treffen hat es lange gedauert."

"Geld haben wir genug"

"Wir können uns jetzt nicht treffen, ich werde gerade von der Polizei gesucht", schrieb Jugendgang-Mitglied Omar (Name geändert) Aleksandra auf Instagram. Mit 15-Jahren hat Omar angeblich schon mehrere Raubüberfälle und Drogendelikte auf dem Kerbholz. "Geld haben wir genug", lässt er die Redakteurin wissen. Äußerlich schaut er mit seinen weißen Turnschuhen, kurzen Haaren und der Sportjacke aus wie ein normaler Jugendlicher. Doch hinter dem lockeren Outfit schlummert kriminelle Energie.

Omar kam mit seinen Eltern aus dem Irak, lernte in Wien schnell falsche Freunde kennen. Er habe sicher schon "über hundert" Leute in Wien überfallen", prahlt der Jugendliche. Wenn einer von uns wegen etwas Kriminellem in der Zeitung landet, schreiben wir uns dann auf Whatsapp "Du bist in Zeitung. Bleib lieber zuhause". Raubopfer werden nach dem äußeren Erscheinungsbild ausgewählt, hat jemand Markenkleidung und teure Kopfhörer kann er ins Visier krimineller Jugendlicher geraten. Nur Frauen und Mädchen würde man nicht überfallen, erzählt Omar. In Parks in Wien-Ottakring, bei U-Bahnstationen am Gürtel, bei der Lugner City oder am Handelskai hänge man ab. Ob sie jemandem 10 oder 100 Euro abnehmen spiele keine Rolle. "Hauptsache Gewinn", sagt der 15-Jährige in "Biber".

"Keine Angst, hinter Gittern zu stehen, aber Angst, Tränen in Mamas Augen zu sehen"

Der Bursche und seine Gang tragen Schlagstöcke, Pistolen und Messer. Wie man an die Waffen kommt? "Kennst Excalibur City an der tschechischen Grenze? Da verkaufen Chinesen ur viel Zeug, da kriegst du alles", erzählt ein 15-jähriger Pole aus einer anderen Jugendgang. Seine Bande konzentriert sich mehr auf Drogenhandel. "Drogen verticken fast nur Ausländer, aber kaufen tun dann die Österreicher. Die haben nämlich Geld", erzählt er.

Die Burschen haben Bekannte, die im Gefängnis sind. Auch sie könnten dort enden, doch Angst haben sie angeblich keine davor. "Keine Angst, hinter Gittern zu stehen, aber Angst, Tränen in Mamas Augen zu sehen", sagt Omar im "Biber"-Interview.

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(pet)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sicherheitsberater am 12.06.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    mehrere Jugendgangs sind derzeit in Wien aktiv

    haben aber leider nichts zu befürchten, da sie ja angeblich "unmündig" sind, und werden weiter machen wie bisher. Ab 16 darf man wählen und mit 17 auch Auto fahren. Einbrechen, rauben und andere schwerst verletzen, darf man bis 14 unbehelligt ? Hier läuft seit langem vieles schief, wird aber unter Rücksichtnahme der Neubürger nicht angegangen (auch wenn einige wenige echte Inländer sind die ebenso streng bestraft werden sollten), da man sich seitens der Politik erst dann kümmert, wenn es einen der ihren betrifft ! Haftstrafen ab 12 wären längst überfällig, denn ohne, fühlen die sich hier w

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  • ältere Dame am 12.06.2019 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir graut immer wenn ich unterwegs bin

    Ja diese Gangs stehen auch auf Bahnhöfen z.B. Wien Mitte herum. Man geht dort mit gemischten Gefühlen durch. Vielleicht sollte man mehr undercover ermitteln.

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  • Hildegart am 12.06.2019 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung statt Bestrafung

    Da ist die Politik gefragt eine intelligente Lösung für solche Rotzlöffel zu finden. Einsperren, Geldstrafe, etc. bringt nichts. Im Gefängnis lernen sie nur das, was sie bislang noch nicht gewusst haben. Ausserdem müssen sie in die Arbeitswelt integriert werden, sonst liegen sie uns ewig auf den Taschen. Wie gesagt, da braucht es eine gute und überlegte Lösung. Wenn ich mir den Nationalrat anschaue wird mir aber Angst und Bange!

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Eveline Hantinger am 13.06.2019 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschärfung

    Es gehören endlich schärfere Gesetze her. Wenn jemand was anstellt und verurteilt wird, dann soll der oder diejenige Sozialstunden ableisten so wie es andere Länder machen. Auch die Strafmündigkeit gehört herabgesetzt.

  • Harry C.II am 13.06.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    .44 Automag

    Die wirkliche Gefahr sehe ich in Kräften, die uns angemessene Abwehrmassnahmen untersagt. Jeder, der mal einen Waffenpass beantragt hat, kann ein Lied davon singen, was wir Normalsterbliche der Nomenklatur wert sind.

  • ÖSTERREICHER am 13.06.2019 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstschutz

    Banden waren immer schon gefährlich, nur seit der Zeit 2015 haben sie sich ziemlich vermehrt. Wer sich auch ausrauben lässt, ist auch zum Teil selbst Schuld, man muss sich auf solche Banden auch heutzutage vorbereiten, Österreich hat sich in den letzten Jahren völlig verändert, Gefahren immer größer geworden.

    • Bee am 13.06.2019 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ÖSTERREICHER

      Das ist ja ein Witz wer sich ausrauben lässt...wer will das schon... und vorbereiten wie genau in Wien kann dir das mittlerweile überall passieren

    • Leider Wiener am 13.06.2019 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      Einstellen?

      Was heißt hier: selber Schuld? Ja, Banden gab es auch früher, aber nicht in der Größenordnung und Brutalität. Wie sollen wir uns selber schützen? Etliche Fälle sind Übergriffe ohne Raub oder Streit. Sollen alle Älteren oder halt nicht so wehrhafte Bürger jetzt zu Hause bleiben oder zahlt die Stadt vielleicht einen Bodyguar?

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  • Pedro am 12.06.2019 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Viva Mara 13

    Was? Der Iraker lernte schnell die falschen Leute kennen? Ich denke eher andere lernten ihn kennen.

  • Wm am 12.06.2019 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wm

    Wie ich immer gesagt habe wenn nicht jede Familie mit Niederlagen und Verlusten durch das zusammenleben mit den Neo Bürgern erfährt. Ist ein Umdenken nicht möglich, Österreicher werden laut meiner demografischen Berechnungen in der Minderheit sein bevor oder ob sich noch was tut. Auf das Wort "dagegen"verzichte ich da es noch nicht Betroffene zur Trotzreaktion verleitet. Ps mein Leben besteht aus Zahlen, ich lebe nach Stadistik und verzichte auf alles Gegenteilige, trifft Diese es doch meist am härtesten. Ich 2 über 30kg Hunde und.... Als potentielles Ziel scheide ich laut Stadistik aus