Laut Peter Pilz

15. Mai 2019 19:30; Akt: 15.05.2019 20:47 Print

Sellner löschte Emails 41 Minuten vor Razzia

von Lukas Urban - Neue Recherchen zeigen, dass zwischen der Löschung von Emails und der Hausdurchsuchung in Sellners Wohnung nur wenig Zeit vergangen sein soll.

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"Wenn du jemals nach Wien kommst, müssen wir auf einen Kaffee oder ein Bier gehen."
– Martin Sellner

Dieser Satz findet sich im Mailverkehr zwischen dem österreichische Identitären-Chef Martin Sellner und Brenton T., der am 15. März 2019 in neuseeländischen Moscheen 50 Menschen ermordet haben soll.

Die Nachrichten, in denen sich Sellner für eine Spende des späteren Killers in Höhe von 1.500 Euro bedankt, wurden zwischen dem 6. und 10. Jänner 2018 ausgetauscht. Die letzte bekannte Email zwischen Sellner und dem Christchurch-Attentäter stammt vom Juli 2018. Kurz darauf soll er Mietwagen und Unterkünfte in Österreich gebucht haben.

Löschung kurz vor Razzia?

Diese Emails lagen anschließend auf Sellners Account – bis zum 23. März 2019. Wie aus Dokumenten, die Peter Pilz (Jetzt) vorliegen, hervorgeht, soll Sellner an jenem Tag um 12.19 Uhr die Nachrichten als Screenshots archiviert und anschließend gelöscht haben.

"Zwei Tage später bestätigte Sellner die Löschung der Emails in der Einvernahme. Er leugnet es nicht", so Pilz im Gespräch mit "Heute.at".

Nur 41 Minuten später – um 13.00 Uhr – begannen Beamte des BVT im Auftrag der Staatsanwaltschaft Graz mit der etwa dreistündigen Hausdurchsuchung in Sellners Wiener Privatwohnung.

In einer Stellungnahme gegenüber dem "Standard" gibt Sellner an, dass er "die Kontaktdaten eines Terroristen nicht in meinem Email-Postfach haben" wollte. Er habe sie zur Dokumentation gespeichert.

Terror-Ermittlungen

Derzeit laufen Terror-Ermittlungen gegen Sellner. Laut einem Bericht des BVT vom 4. April 2019 gilt er als "dringend tatverdächtig", Mitglied eines "bis dato nicht näher verifizierbaren international agierenden rechtsextremen Netzwerkes" zu sein.

Laut Peter Pilz stellt sich die Frage, ob Sellner vor der Hausdurchsuchung gewarnt wurde. "Es könnten noch mehr Emails verschwunden sein", sagt der Jetzt-Abgeordnete zu "Heute.at". "Aber es ist nicht zu spät."

Pilz richtet nun eine parlamentarische Anfrage an Innenminister Herbert Kickl (FPÖ). Er fordert unter anderem Auskunft darüber, seit wann der Minister oder sein Generalsekretär wüssten, dass Sellner die Mails mutmaßlich so kurz vor der Hausdurchsuchung löschte. Außerdem will Pilz wissen, ob in dieser Sache Ermittlungen eingeleitet wurden. "Meines Wissens wurde das nicht untersucht", sagt er gegenüber "Heute.at".

Empörte Reaktionen

Auch die anderen beiden Oppositionsparteien meldeten sich am Mittwoch zu der Causa zu Wort. "Es kommt immer mehr ans Licht, dass die Spende des Attentäters an die Österreichischen Identitären mehr war als ein einmaliger Kontakt", so Stephanie Krisper, NEOS-Sprecherin für Inneres, in einer Aussendung.

"Es fällt mir angesichts der engen Verbindungen zwischen der FPÖ und den Identitären schwer, hier an einen Zufall zu glauben", ließ SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda wissen. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker schoss postwendend zurück: "Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer soll nun die Behörden in Ruhe arbeiten lassen und seine scheinbare Berufung zum Privatdetektiv lieber in seiner eigenen Partei ausleben – da gebe es nämlich genug zu tun."

Das Innenministerium wollte den Verdacht auf einen Leak gegenüber dem "Kurier" nicht kommentieren. Sprecher Christoph Pölzl verwies auf "laufende Ermittlungen".

Zum Thema: Identi–wer? Die jungen Rechten erklärt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fek Njus am 15.05.2019 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    So what ?!?

    Er kann doch seine mails löschen, wann und wie oft er will.

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  • Con Stantine am 15.05.2019 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Von wem hat Peter Pilz diese Information bekommen? Dürfen bei laufenden Ermittlungen beliebig Informationen an die Presse gegeben werden?

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  • Markus Denker am 15.05.2019 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Und?

    Ist das nicht sein Recht seine Mails zu löschen?

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • lucifer am 16.05.2019 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    der zorn wächst, nicht gut..

    die möglichkeit eines gratis anwalts muss gegeben sein. es kann doch nicht sei dass organisationen mit geld , viel geld, die aus ihrer sicht unliebsamen so lange mit klagen überziehen bis der ruin durch die auftretenden verteidigungs kosten das politische justizopfer ereilt. unschuldig ,bei jedem mal, durch alle instanzen ... vor entscheidungs wahlen immer den selben gesetztes polit skandal provoziert von immer der gleichen reichen klientel.. widerstand o5

  • PGL am 16.05.2019 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grauslich

    Die Sache stinkt nach Kickl. Aber das wird nie rauskommen, das wird vieles Anders verschleiert. Ist schon so ähnlich wie unter Metternich.

  • Dragonheart am 16.05.2019 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Unsympathischer Typ

    der Sellner- für mich jedenfalls. Aber was hat er wirklich getan? Er hat sich bei einem Spender mit besonders hohem Spendenbetrag, besonders bedankt. Glaube auch eher nicht das der Typ ein Hellseher ist- wie soll er also wissen das der Gestörte dann zum Massenmörder wird? Das muss mir mal wer erklären. Bitte darum

  • a.c. am 16.05.2019 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    Das heißt er wurde von jemandem aus der Regierung informiert von bevorstehenden Hausdurchsuchung. Frage ist auch ob er das Video live angeschaut hat? Das kann man auch rausfinden, nur unser derzeitiger Ihnen Minister will das nicht!

    • Maria Theresia am 16.05.2019 19:44 Report Diesen Beitrag melden

      Pilz

      Ist nur eine Vermutung von Pilz. Kein Fakt. Für mich macht diese Behauptung keinen Sinn. Gelöschte E-Mails können doch jederzeit wieder hergestellt werden. Ich habe bezüglich der Ermittlungen vollstes Vertrauen in die dazu bevollmächtigen Organe und bin jetzt ehrlich schon gespannt auf das Ergebnis.

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  • Herr Schierl am 16.05.2019 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die Frage

    sollte eher lauten: WARUM nur auf 1 Bier bei über 3.000 Euronen Zuwendung??!