Chef entschuldigt sich

16. Mai 2018 15:55; Akt: 16.05.2018 16:46 Print

Antisemitische Karikatur in Süddeutscher Zeitung

Eine Karikatur des israelischen Premier Benjamin Netanjahu in der "Süddeutschen Zeitung" sorgt für Unmut. Sie bedient antisemitische Klischees.

Die umstrittene Karikatur. (Bild: Screenshot Twitter)

Die umstrittene Karikatur. (Bild: Screenshot Twitter)

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Die israelische Song-Contest-Gewinnerin Netta Barzilai sorgte mit ihrer Aussage "Nächstes Jahr in Jerusalem" – angesichts des Nahost-Streits um Jerusalem als Hauptstadt – für einige Empörung. Eine Karikatur dazu in der "Süddeutschen Zeitung" missglückte aber gehörig: Sie bediente sich antisemitischer Klischees – unabsichtlich, wie der Karikaturist betont.

Die Karikatur zeigte den israelischen Premier Benjamin Netanjahu ins Barzilais Song-Contest-Kostüm – in der Hand eine Rakete mit dem Davidsstern. Auch der Eurovision-Schriftzug enthält einen Davidsstern anstatt des "V". Zudem ist Netanjahu mit großen, abstehenden Ohren abgebildet, was in antisemitischen Karikaturen oft als typisch jüdische physiognomische Eigenart dargestellt wird.



"Süddeutsche"-Chefredakteur Wolfgang Krach entschuldigte sich inzwischen für die Karikatur. In einer Stellungnahme sprach er die Darstellung an. Diese habe "innerhalb und außerhalb der SZ-Redaktion zu Diskussionen geführt", schreibt er. Obwohl vom Karikaturisten so nicht intendiert, könne "man die Zeichnung auch anders verstehen und als antisemitisch auffassen. Ihre Veröffentlichung war deshalb ein Fehler, für den wir um Entschuldigung bitten", so Krach.

Auch frühere Song Contests in Jerusalem

Israels Premier Benjamin Netanjahu griff Barzilais Äußerung "Nächstes Jahr in Jerusalem" am Abend des Song-Contest-Gewinns sogleich auf Twitter auf.


Für manche wirkte die Aussage der Gewinnerin, die eigentlich eine traditionelle jüdische Formel bei Pessach- und Yom-Kippur-Feierlichkeiten ist, dadurch wie eine politische Botschaft.

Auch die beiden bisher in Israel abgehaltenen Song-Contests in den Jahren 1979 und 1999 fanden bereits in Jerusalem statt.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Privat am 16.05.2018 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, nein

    Wenn man der israelischen Nachbarschaftspolitik gegenüber kritisch eingestellt ist, ist das in keiner Weise antisemitisch. Es wird ja niemand abgelehnt, weil er oder sie Jude ist, sondern die Besetzung von Gebieten und vorauseilende Verteidigung. Und Kritik muss schon erlaubt sein, auch an Israelis.

  • Sochal am 16.05.2018 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Maß

    Hmm, wenn man unseren Kanzler als Babyhitler darstellt ist alles ok, das soll mal einer verstehen

  • Heimatland am 16.05.2018 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das auch antisemitisch, wenn ich sage:

    Boykottieren wir den nächsten Songcontest einfach! (ich schau mir das Spektakel schon seit Jahren nicht mehr an!)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Miz am 16.05.2018 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zynische Karikaturen von charlie hebdo ok

    Da darf man nichts sagen,sonst das ist ja diskriminierend und medien-Freiheitseinschränkung ...entscheidet euch

  • Heimatland am 16.05.2018 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das auch antisemitisch, wenn ich sage:

    Boykottieren wir den nächsten Songcontest einfach! (ich schau mir das Spektakel schon seit Jahren nicht mehr an!)

  • Sochal am 16.05.2018 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Maß

    Hmm, wenn man unseren Kanzler als Babyhitler darstellt ist alles ok, das soll mal einer verstehen

  • Privat am 16.05.2018 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, nein

    Wenn man der israelischen Nachbarschaftspolitik gegenüber kritisch eingestellt ist, ist das in keiner Weise antisemitisch. Es wird ja niemand abgelehnt, weil er oder sie Jude ist, sondern die Besetzung von Gebieten und vorauseilende Verteidigung. Und Kritik muss schon erlaubt sein, auch an Israelis.