Marburg-Virus

12. August 2017 19:43; Akt: 12.08.2017 19:45 Print

Der teuflischste Erreger der Welt

1967 wurden in Marburg Menschen auf zunächst unerklärliche Weise todkrank. Schuld war ein Virus, gegen das bis heute kein Kraut gewachsen ist.

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Im August 1967 erkrankten im deutschen Marburg innerhalb weniger Wochen mehrere Menschen an einer mysteriösen Infektion. Betroffen waren vor allem Mitarbeiter eines Labors. (Im Bild: die Universitätskirche) Zunächst tippten die behandelnden Ärzte auf eine schwere Sommergrippe. Doch sie lagen falsch. Denn die Symptome waren diffus und verschlimmerten sich rasch. Klagten die Betroffenen zunächst über schlimme Kopfschmerzen und Unwohlsein, bluteten einige von ihnen bald aus allen Körperöffnungen sowie in den inneren Organen. Sie hatten ein sogenanntes hämorrhagisches Fieber entwickelt. Und so war bald klar: Statt mit einer Influenza hatte man es mit einem deutlich gefährlicheren und unbekannten Virus zu tun, das später nach dem Ort des Ausbruchs als Marburg-Virus in die Bücher einging. Von den 31 Infizierten starben insgesamt sieben ? fünf in Marburg und zwei in Frankfurt, wohin das Virus auch gelangt war. Nach Deutschland eingeschleppt wurde der Erreger durch den Import Grüner Meerkatzen (Chlorocebus) aus Uganda. Die Affen sollten im Labor als Versuchstiere dienen. Eine unheimliche Situation, erinnert sich Werner Slenczka, der damals Forschungsassistent war und den Erreger schlussendlich identifizierte. "Man wusste ja zunächst nicht, wie die Infektion übertragen wurde." Aus Sorge, die zentral gelegenen Labors könnten dazu beitragen, die Seuche zu verbreiten, wurden die Untersuchungen vorübergehend ausgelagert. Im September wurde die Suche nach dem Erreger wieder aufgenommen, als sich die Situation entspannt hatte. Die Methode, die zum Erfolg führte, war die Immunfluoreszenz. "Am 20. Oktober sah ich zum ersten Mal etwas unter UV-Licht im Mikroskop, wovon ich überzeugt war, dass es der Erreger ist", so Slenczka. Der Feind war damit nicht nur identifiziert. Die Suche nach dem Erreger prägte Becker zufolge auch massgeblich die weitere virologische Forschung in Marburg. Mittlerweile ausgestattet mit einem modernen Hochsicherheitslabor wird hier nicht nur an Marburg-Viren geforscht, ... ... sondern auch an Lassa- und Ebola-Viren. So waren Wissenschaftler aus Marburg auch während der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika im Einsatz und ... ... sind an der Entwicklung eines Impfstoffes beteiligt.

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Als im August 1967 ein schwer kranker Patient ins Marburger UniKrankenhaus gebracht wird, vermuten die Ärzte eine Sommergrippe. Doch die Symptome werden immer schlimmer und diffuser. Der nächste Kranke kommt, dann noch einer. Den Medizinern wird klar: Sie haben es mit einem gefährlichen und bis dahin unbekannten Feind zu tun.

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Auf die Spur kommt man ihm schließlich dort, wo die Krankheit ausgebrochen ist: in Marburg. Seitdem trägt das Virus, ein Verwandter des Ebola-Erregers, den Namen der Stadt.

Mit Affen eingeschleppt

"Dass ein Virus aus Afrika nach Deutschland eingeschleppt wird und dann hier Todesopfer fordert, war neu", sagt Stephan Becker, Virologe an der Universität Marburg. Für Versuche importierte Affen aus Uganda brachten ihn mit, und es waren insbesondere Labor-Beschäftigte, die sich infizierten.

Das Ganze hatte aber auch etwas Gutes: "Der Ausbruch war die Initialzündung für das Verständnis von solch hochpathogenen Viren", sagt Becker. "Das Problem dieser Infektionen ist, dass das menschliche Immunsystem nicht darauf vorbereitet ist. Es reagiert falsch." Es könne diese Viren nicht interpretieren. "Dadurch reagiert das Immunsystem über. Das nennt man Zytokinsturm – es ist der Grund, warum Menschen daran sterben."

31 Infizierte, sieben Tote

Doch nicht nur in Marburg, sondern auch in Frankfurt und in Belgrad rangen 1967 Patienten um ihr Leben. Von den 31 Infizierten starben 7. "Es war eine unheimliche Situation. Man wusste ja zunächst nicht, wie die Infektion übertragen wird", erinnerhalb sich Werner Slenczka, der damals Forschungsassistent war und den Erreger schlussendlich identifizierte.

Slenczka war zum Zeitpunkt des Ausbruchs in den Ferien und las in der "Bild" von der "Affen-Seuche" in Hessen. Dort ging die Angst um. Auch unter Wissenschaftlern. Deshalb wurde Ende August beschlossen, die Diagnostik-Arbeiten an Proben von Patienten sowohl in Marburg als auch in Frankfurt zu stoppen – aus Angst, die zentral gelegenen Labors könnten dazu beitragen, die Seuche zu verbreiten.

"Das Material wurde eingefroren und an ausländische Institute geschickt, weil die Labors hier nicht für solch einen Erreger ausgerichtet waren. Wir hatten ja keine guten Schutzmöglichkeiten. Masken hatten wir und Handschuhe – aber das war ja nicht so wie heute."

Nadel im Heuhaufen

Die Situation entspannte sich allmählich: Im September seien die ersten Patienten aus dem Krankenhaus entlassen worden, so Slenczka. "Man stellte fest, dass keine bleibenden Schäden zu vermuten waren und es vor allem keine weitere Ausbreitung gab." Also sei die Suche nach dem Erreger in Marburg wieder aufgenommen worden.

"Es war keine leichte Aufgabe. Es war die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt der heute 82-Jährige. Zudem sei es ein "ziemlicher Ritt über den Bodensee" gewesen. "Denn wir wussten nicht sicher, ob der Erreger durch unsere Methode inaktiviert wird."

Die Methode, die zum Erfolg führte, war die Immunfluoreszenz (siehe Box). "Am 20. Oktober habe ich zum ersten Mal etwas unter UV-Licht im Mikroskop gesehen, wovon ich überzeugt war, dass es der Erreger ist. Es ist ein tolles Gefühl, etwas zu sehen, von dem man weiß, dass es noch nie zuvor jemand gesehen hat", erzählt Slenczka.

Wichtig für die Viren-Forschung

Der Feind war damit nicht nur identifiziert. Die Suche nach dem Erreger prägte Becker zufolge auch mmaßgeblich die weitere virologische Forschung in Marburg. Mittlerweile ausgestattet mit einem modernen Hochsicherheitslabor wird hier nicht nur an Marburg-Viren geforscht, sondern auch mit Lassa- oder Ebola-Viren.

Marburger Wissenschaftler waren auch während der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika im Einsatz und sind an der Entwicklung eines Impfstoffes beteiligt.

"Die Geschichte des Marburg-Virus ist nicht nur eine Geschichte der hochpathogenen Infektionen", betont Becker. "Es sagt auch sehr viel über unsere Umwelt und Gesellschaft aus." Etwa, dass wir auch heute noch sehr verletzlich solchen Infektionen gegenüber sind. Das habe der Ebola-Ausbruch 2014 gezeigt. "Und wenn dann solch ein Ausbruch da ist, ist das nicht nur ein Gesundheitsproblem. Dann wird es auch zu einem politischen Problem, weil ganze Regionen plötzlich instabil werden."

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fuhrinat am 12.08.2017 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Virus

    Werden jetzt noch mehr Krankheiten durch die Massenwanderung bekommen

  • AuchneMeinung am 12.08.2017 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    hämorrhagisches Fieber

    schön, was uns da in naher Zukunft, neben Aids, allen möglichen Hepa-Varianten & Co blühen wird. Die TBC und die Masern sind ja schon fleissig im aufkeimen. Einfach mal unter hämorrhagisches Fieber googeln ... da weiß man woher es stammt, und warum es aller wahrscheinlichkeit in Europa wieder dazu kommen könnte!

  • Klans Stritzi am 12.08.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Schlimm was es so alles gibt auf unserer Welt

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • fuhrinat am 12.08.2017 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Virus

    Werden jetzt noch mehr Krankheiten durch die Massenwanderung bekommen

  • Klans Stritzi am 12.08.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Schlimm was es so alles gibt auf unserer Welt

    • pferdchen150273 am 13.08.2017 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klans Stritzi

      und noch schlimmer das manche erreger im labor gezüchtet werden :(

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  • AuchneMeinung am 12.08.2017 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    hämorrhagisches Fieber

    schön, was uns da in naher Zukunft, neben Aids, allen möglichen Hepa-Varianten & Co blühen wird. Die TBC und die Masern sind ja schon fleissig im aufkeimen. Einfach mal unter hämorrhagisches Fieber googeln ... da weiß man woher es stammt, und warum es aller wahrscheinlichkeit in Europa wieder dazu kommen könnte!