Deutschland

08. November 2018 14:30; Akt: 08.11.2018 16:01 Print

Folterprozess gegen Asyl-Heim-Security gestartet

Aufregung gleich zu Beginn des Folterprozesses gegen 30 Wachmänner eines deutschen Asylheims: Die Angeklagten sollen Flüchtlinge systematisch gefoltert und gedemütigt haben.

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Nach mehrjährigen Ermittlungen hat der Mammutprozess gegen dreißig ehemalige Wachmänner eines Asylheims in Burbach (Nordrhein-Westfalen) begonnen: Die Securitys sollen Flüchtlinge systematisch gefoltert und gedemütigt haben.

"Leg' dich in deine Kotze!"

Am 23. April wurde auch der 18-jährige Algerier Karim M. in das sogenannte "Problemzimmer" beordert, weil er offenbar betrunken und angeblich zu spät zurück in die Unterkunft gekommen war, wie der "Spiegel" berichtet. Dort sperrten ihn die Aufseher ein, brüllten ihn an und prügelten ihn bis er sich übergeben musste.

Hilflos auf dem Boden kauernd, fragte der junge Algerier seine Peiniger mehrfach, warum sie ihm das antun würden. Die einzige Antwort: "Halt die Fresse! [...] Leg' dich in deine Kotze und schlaf!" Karim M. blieb in Folge für fünf Tage in Zimmer 123 gefangen.

Einer der Mittäter hatte die Tortur mit seinem Handy gefilmt. Monate später wurde die 27 Sekunden lange Aufnahme einem deutschen Journalisten zugespielt. Als der Fall schließlich im September 2014 ans Licht kam, sorgte er international für Aufregung.

Aufregung zu Prozessbeginn

Am heutigen Donnerstag hat und die juristische Aufarbeitung des Skandals begonnen. Gleich zu Beginn herrschte helle Aufregung: Einer der mutmaßlichen Täter durfte den Gerichtssaal bereits vor der Anklageverlesung wieder verlassen.

Das Gericht hatte dem beschuldigten Markus K. die offizielle Ladung zum Prozess zwei Tage zu spät zukommen lassen und damit die vorgeschriebene Frist verletzt. Das nutzte der Anwalt des Angeklagten geschickt aus, der Mann wurde nach Hause geschickt.

Viele der Wachleute vorbestraft

Doch gerade Markus K. soll laut "Bild" einer der brutalsten Wachmänner gewesen sein. Der fünffache Vater wird sogar vom Landeskriminalamt Schlewig-Holstein als Intensivstraftäter geführt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm jetzt Freiheitsberaubung in 17 Fällen sowie Körperverletzung in 7 Fällen vor. Er soll seine Opfer mit einem Schlagstock geprügelt und auch Pfefferspray eingesetzt haben.

Laut "Bild" sind viele der Angeklagten vorbestraft. Die Jobs in der Sicherheitsbranche seien eine der wenigen Möglichkeiten für sie Arbeit zu finden.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nico am 08.11.2018 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fairness muss sein

    Bin zwar alles andere als ein Willkommen Schreier, aber sowas geht gar nicht. Alle Schuldigen gehören dementsprechend bestraft.

  • Laura am 08.11.2018 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skeptisch

    Wenns stimmt. Man muss sich beide Seiten anhören

  • MBK09 am 08.11.2018 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Leumundszeugnis

    Unverständlich das man in diesem Gewerbe kein Leumundszeugnis braucht.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Paul am 09.11.2018 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    So geht's auch nicht!

    Fällt aber halt auch unter "bedauerliche Einzelfälle".

  • 1002Himmelszelt am 09.11.2018 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    kein Geld zahlen, aber alle aufnehmen

    Wichtiger als die Menschenrechte ist im deutschen Merkelland einfach das Geld: billig, billiger, am billigsten. Daher wurden Vorbestrafte und Schläger eingestellt. Aber für die Medien und das Ausland eine große Show von "Edelmut" gegenüber Fremden abziehen.

  • Dirk C. am 08.11.2018 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Rechter Staat

    Da kommt gar nichts. In Sachsen Anhalt (Dessau) sterben Menschen in Polizei Obhut , ist auch nichts bei raus gekommen. Sind halt Beamte.

  • MBK09 am 08.11.2018 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Leumundszeugnis

    Unverständlich das man in diesem Gewerbe kein Leumundszeugnis braucht.

    • Erich Menon am 09.11.2018 08:07 Report Diesen Beitrag melden

      @MBK09

      Maturanten können sie in dem Job nicht brauchen. Dort wird der Bodensatz, der sich mit dem anderen Bodensatz herumbalgen muss, eingestellt. Da schaut man halt nicht so aufs Leumundszeugnis. Ist bei der Klientel, mit der mans zu tun hat aber auch nicht so wichtig.

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  • myopinion am 08.11.2018 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vor Gericht

    Es ist nicht ok, was die Wachleute gemacht haben. Aber sieht man sich an, wie "Einzelfälle" sich verhalten, wundert es mich auch nicht, wenn sowas dann mal passiert.

    • Innentemperatur am 09.11.2018 11:20 Report Diesen Beitrag melden

      Wahrheit oder Verleumdung ?!

      @Opinion: Und warum sollte man den "Neuankömmlingen" nicht gleich zeigen, wo Thors Hammer hängt ?! Denn viele dieser Invasoren heulen ja schon laut auf, wenn sie irgendwo am Körper einen (selbst verursachten) "blauen Fleck" aufweisen....und ein findiger Anwalt macht dann gleich eine Körperverletzungs-Klage daraus !

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