Ab 2019

12. Oktober 2018 16:21; Akt: 12.10.2018 16:21 Print

Computer soll für AMS Arbeitslose bewerten

Ein Computerprogramm soll künftig AMS-Kunden analysieren und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt bewerten – damit sollen gezieltere Förderungen möglich werden.

Jugendliche im AMS am Gumpendorfergürtel in Wien 1060. (Bild: picturedesk.com)

Jugendliche im AMS am Gumpendorfergürtel in Wien 1060. (Bild: picturedesk.com)

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Umbruchstimmung beim Arbeitsmarktservice AMS: Nach mehrjähriger Vorbereitung soll ab Jänner 2019 ein neues Computerprogramm die menschlichen Mitarbeiter bei der Bewertung der Zukunftschancen der Arbeitssuchenden unterstützen.

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Anhand von einem knappen Dutzend Merkmalen soll ein Algorithmus die Jobsuchenden nach ihren Chancen am Arbeitsmarkt in drei Kategorien einteilen. Dabei werden neben den typischen demographischen Angaben wie Alter und Geschlecht auch Daten der bisherigen Berufslaufbahn und bisherige Zeiten der Arbeitslosigkeit erfasst und berücksichtigt. Ältere Personen und Zuwanderer haben traditionell schon schlechtere Chancen auf einen neuen Job, auch diese Faktoren fließen in die Bewertung ein.

Einteilung in drei Kategorien

Bislang wurden ähnliche Einschätzungen von den AMS-Mitarbeitern erstellt. Künftig soll der größte Teil vollautomatisch ablaufen. Neu ist die explizite Dreiteilung in Kategorien. Als Personen mit guten Chancen gilt man, wenn mit mindestens 66-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, innerhalb von zwei Jahren vermittelt zu werden. Geringe Chancen werden demnach bei einer Wahrscheinlichkeit bis maximal 25 Prozent bescheinigt. Alle anderen landen in der mittleren Kategorie. Anfang nächsten Jahres soll die Software in das EDV-System eingespielt werden.

Man wolle die Ressourcen der Arbeitsmarktpolitik langfristig effizienter einsetzen, erklärte AMS-Chef Johannes Kopf in einem Interview mit dem "Standard". In einem internen Papier zu den Ursprüngen des Programms, das dem "Standard" vorliegen soll, heißt es, dass der Algorithmus zu Einsparungen bei Ausgaben für Kunden mit guten Perspektiven führen soll: Sie könnten sich selbst helfen und bräuchten primär Stellenangebote vom AMS und nur selten Förderungen.

Ungleiche Verteilung der Fördermittel

Im Umkehrschluss soll auch bei den Kunden in der untersten Kategorie gespart werden. Denn hier wäre jede Maßnahme des AMS vergleichsweise teuer für die geringen Vermittlungschancen. Ein Vorhaben, das bei den meisten Kritikern auf Unverständnis stößt. Auch der damalige Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) fürchtete, dass perspektivlose Arbeitslose dadurch weniger Förderungen erhalten würden. Deshalb ließ er die Einführung des Algorithmus im Herbst 2016 vorübergehend auf Eis legen.

Profitieren würden von diesem neuen System Jobsuchende in der mittleren Kategorie, bei ihnen ist demnach das Kosten-Nutzen-Verhältnis am vorteilhaftesten. Die Ressourcen sollen bei diesen Kunden konzentriert werden.

"Ziel ist es auch, mit dem gleichen Geld mehr Personen fördern zu können", entschärft Kopf die Befürchtungen: "Die Idee ist, bestehende Förderinstrumente bei den unterschiedlichen Gruppen unterschiedlich einzusetzen."

Menschlicher Faktor bleibt

"Wir setzen derzeit öfter geförderte Beschäftigungsprojekte bei ganz Schwachen ein und sind dann oft unglücklich, dass wir zu sehr hohen Kosten im Vergleich relativ wenige Arbeitsaufnahmen bei dieser Personengruppe haben", so der AMS-Chef weiter: "Mit dem neuen System werden wir noch besser steuern können, wo und wie wir fördern müssen, um effektiver zu sein." Auch die Betroffenen seien mit den neuen Betreuungsangeboten "sehr happy".

Man wolle sich aber in Zukunft nicht sklavisch an die Einschätzung des Computerprogammes halten. Die Kategorien könnten jederzeit durch die AMS-Mitarbeiter aufgebrochen werden, etwa wenn ein Betreuer aufgrund seiner Erfahrung eine andere Einschätzung treffe, könne er den Kunden hochstufen.

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(red)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vorstadtmama am 12.10.2018 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ziel Automatisierung...

    Antrag online einbringen, der Computer analysiert und bewertet, die Mitarbeiter werden gekündigt... Ist das das Ziel?

    einklappen einklappen
  • oli am 12.10.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ich bin nicht unmittelbaren betroffen da ich einer Beschäftigung nachgehe doch so etwas mit den arbeitslosen zu machen finde ich nicht richtige. Ein Programm Menschen bewerten zu lassen da sind wir ja nicht bei tinder. Das ist nur ein Grund weniger für die ams mitarbeiter um auf den Arbeitssuchenden einzugehen.

  • Gerhard am 14.10.2018 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch ohne Arbeitsstress

    Ich freue mich schon auf den Computer, beziehe seit 13 Jahren Notstandshilfe. Kann er mich knacken?

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Barmy Army am 16.10.2018 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Das ändert nichts an der Tatsache

    da es keine Jobs gibt. Offensichtlich will man damit Personal beim AMS einsparen.

  • Gerhard am 14.10.2018 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch ohne Arbeitsstress

    Ich freue mich schon auf den Computer, beziehe seit 13 Jahren Notstandshilfe. Kann er mich knacken?

  • Leitgeprüft am 13.10.2018 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Der Computer hat immer Recht

    Es ist ja nett, dass die sich nicht sklavisch an die Einschätzung des Computers halten wollen. Es wird aber sehr rasch passieren. Das kenne ich auch von anderen Systemen. Denn es nimmt dem Mitarbeiter die Verantwortung ab und spiegelt so eine Art Objektivität vor, auch wenn der Algorithmus im Hintergrund nur macht, was der Mensch auch gemacht hätte, mit allen Vorurteilen und Fehlern wegen Mangel an Informationen.

  • oli am 12.10.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ich bin nicht unmittelbaren betroffen da ich einer Beschäftigung nachgehe doch so etwas mit den arbeitslosen zu machen finde ich nicht richtige. Ein Programm Menschen bewerten zu lassen da sind wir ja nicht bei tinder. Das ist nur ein Grund weniger für die ams mitarbeiter um auf den Arbeitssuchenden einzugehen.

  • Sandy am 12.10.2018 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird eh Zeit...

    Es wird eh Zeit, dass die Behörden untereinander vernetzt werden. Viele, die Ams- Angebote ausschlagen und dann weniger Arbeitslosengeld bekommen, gehen dann aufs Magistrat oder Bh und beantragen Mindestsicherung, um das Defizit auszugleichen