Schuhgeschäft

11. Februar 2019 08:53; Akt: 11.02.2019 08:53 Print

Chefin will, dass Lehrling trotz Grippe arbeitet

von B. Zanni - Eine Chefin versuchte, eine kranke Auszubildende zum Arbeiten zu verdonnern. Sie habe zu wenig krank gewirkt, warf sie ihr vor.

Die Nachrichten der Chefin liegen dem

Die Nachrichten der Chefin liegen dem "Heute"-Schwestermedium "20 Minuten" vor. (Bild: 20 Minuten)

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Nach zwei Tagen mit Grippe im Bett schleppte sich die junge Frau T. R.* am vergangenen Mittwoch zur Arbeit. "Ich hatte starke Kopfschmerzen und Husten, aber ich wollte meine Kollegen nicht im Stich lassen", so R., die in einem Schweizer Schuhgeschäft ihre Ausbildung macht. Sie sei so schwach gewesen, dass sie die Kunden kaum habe bedienen können. Da sie am Nachmittag auch noch einen Arzttermin hatte, bat sie ihre Chefin, früher nach Hause gehen zu können.

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Sind Sie schon mal krank zur Arbeit gegangen?

"Sie erlaubte mir dies und verlangte aber, dass ich am nächsten Tag wegen unseres Personalmangels wieder zur Arbeit erscheine." R. konnte ihr dies aber nicht versprechen, weil sie zuerst die Beurteilung des Arztes abwarten wollte.

"Ich habe meine Grippe noch nicht auskuriert. Der Arzt stellte mir deshalb bis Anfang nächster Woche ein Zeugnis aus." Doch ihre Chefin hatte kein Verständnis dafür. "Sie schickte mir darauf SMS zurück, in denen sie mich der Lüge beschuldigte", so R.

"Die Situation eiskalt ausgenutzt"

Die Screenshots der SMS liegen dem "Heute"-Schwestermedium "20 Minuten" vor. "Das war jetzt sehr berechnend von Ihnen. Sie haben die Situation eiskalt ausgenutzt!!!", schrieb die Chefin. Sie warf der Lernenden vor, ihre Gutmütigkeit ausgenutzt zu haben. "Bin sehr fest enttäuscht von Ihnen. Soo krank haben Sie nicht gewirkt." Sie stelle das ganze Team vor Probleme. "Ich weiß, wie schnell die Ärzte Zeugnisse ausstellen. Auf meine Hilfe können Sie nicht mehr zählen." R. blieb höflich und antwortete, dass sie das Team wieder wie gewohnt unterstützen werde, sobald sie wieder gesund sei.

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Für die Lernende überschreitet der Betrieb mit dem Krankheitsverbot nicht zum ersten Mal Grenzen. "Nur ganz kurzfristig wurde mir mitgeteilt, dass unsere Filiale Ende Februar schließt und ich deshalb meine Lehrstelle verlieren werde", so R. Hilfe bei der Lehrstellensuche biete ihr der Betrieb nicht an. "Und jetzt soll ich wegen des Personalmangels auch noch krank arbeiten. Ich fühle mich ausgenutzt." Zudem habe sie als Lernende etliche Überstunden geschoben.

Das Schuhgeschäft schreibt auf Anfrage, dass sie mit der Vorgesetzten der Lernenden zurzeit in Kontakt stünden und die genauen Vorkommnisse abklären würden. "Die Gesundheit unserer Mitarbeitenden, unserer Kunden sowie der respektvolle Umgang haben bei uns stets höchsten Stellenwert", hält die Geschäftsleiterin fest. Sollte dieses Gebot missachtet worden sein, würden sie dies aufarbeiten und Maßnahmen treffen, um dies in Zukunft zu verhindern. Auch würden sie sich dann im Namen unseres Geschäfts bei der Mitarbeiterin für den Umgangston entschuldigen.

Gesundheit sei gefährdet

Für Gewerkschaften ist der Fall inakzeptabel. Kathrin Ziltener, Jugendsekretärin bei der Schweizer Gewerkschaft Unia, stellt klar: "Es verstösst gegen das Arbeitsrecht, wenn der Arbeitgeber einen Mitarbeiter trotz Krankheit zum Arbeiten verdonnert." Dies gefährde sowohl die Gesundheit des Mitarbeiters, der Kollegen als auch der Kunden. Arbeitgeber müssten immer damit rechnen, dass ein Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfalle. "Auch ein Personalmangel berechtigt nicht zur Arbeit trotz Krankheit." Zudem sei es widerrechtlich, Lernende als volle Arbeitskräfte einzuberechnen. Auch der Umgangston der Chefin sei nicht professionell. "Bei Unstimmigkeiten sollte der Chef mit dem Mitarbeiter das Gespräch suchen."

Marilena Schioppetti, Rechtsanwältin von Angestellte Schweiz, sagt: "Es kommt manchmal vor, dass es zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu Streitigkeiten kommt, weil sich der Arbeitnehmer krankmeldet." Sie betont: "Den Gesundheitszustand des Arbeitnehmers zu beurteilen, ist nicht Sache des Chefs." Dafür sei allein der Arzt zuständig.

Andere Erfahrungen macht Heinz Heller, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Zürich. Die meisten Arbeitgeber wünschten gut auskurierte Mitarbeiter. "Zu Auseinandersetzungen kommt es vor allem, wenn Arztzeugnisse den Anschein von Gefälligkeitszeugnissen erwecken oder der Arzt sich nur auf die Angaben des Patienten verlassen hat."

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • myopinion am 11.02.2019 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unfaire Chefin

    Es wird immer empfohlen, dass man mit einer echten Grippe Erkrankung daheim bleiben soll. An einer Grippe kann man unter gewissen Umständen sogar sterben. Die Chefin gehört für ihr unfaires, verantwortungsloses Verhalten, gegenüber der Auszubildenden aber auch Kunden, zur Verantwortung gezogen.

  • G.Amlacher am 11.02.2019 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Angst vorm Verlust

    Oft Ist sowas gar nicht notwendig weil man selber sich dazu zwingt. Bei mir ist es so weit gegangen das mich mein Arzt die Wahl gelassen hat. Entweder Krankenstand oder er ruft die Rettung und läst mich ins Spital einweisen. Man sollte nicht unterschätzen welches Risiko manchmal andere Aussetzt wenn man mit einer Krankheit nicht zuhause bleibt!

  • Andrea am 11.02.2019 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Enttäuscht

    Bin als Lehrling zusammen gebrochen und im Lager am Boden gelegen zirka eine Stunde weil Sie geklaubt haben das ist nur von kurzer Dauer. Mir ist so schlecht gegangen und sogar unser Filialinspektor war da und keiner hat sich um mich gekümmert bis ich dann um eine Rettung gebeten habe wurde Hilfe geholt.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Bughard am 13.02.2019 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    vorsätzl.öffentl.Gefährdung

    Falls dann quasi vorsätzlich Kunden mit der Krankheit angesteckt werden...kann man dann klagen

  • Gabriel am 12.02.2019 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    in unserer Firma

    hat Herr Betriebsleiter einem Mitarbeiter einen Detektiv im Krankenstand hinterher geschickt.Dieser bekam dann eine Besitzstörungsklage da er seine Observationen vom Eigengrund des Beobachteten ausführte. Das Gelächter über die Aktion und den Herrn Betriebsleiter hallt bis heut in meinen Ohren. Der Herr Betriebsleiter, mehr hatte er ohnehin nicht zu bieten, geht längst stempeln.

  • Johann K. am 11.02.2019 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Trotzdem nix gefallen lassen

    Mir ist es einmal passiert, das ich im Probemonat krank wurde und 3 Tage die Grippe hatte. Im Probemonat gekündigt bzw vom Kunden an den Personalbereitsteller zurückgeschickt. War aber nicht so tragisch. Nach dem Krankenstand bin ich zu einer anderen Firma geschickt worden und dort bin ich bis heute noch (schon längst fix übernommen).

  • Janine am 11.02.2019 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrung

    War als leiterin tätig in einem büro. Mein erster ks war nach 1 jahr da ich die grippe hat und einfach ko und ich bekam nicht mal ne gscheite antwort. Natürlich war ich auch schon mal vorher krank und saß trotzdem in der arbeit.... grösster fehler überhaupt. Nach meinem ks wurde nicht mal gefragt wies mir wieder geht oder sonst was..wenn man krank da sitzt ist alles schön und gut. Sobald man zu hause bleibt weltuntergang !!!

    • Joe am 11.02.2019 17:25 Report Diesen Beitrag melden

      Immer das gleiche

      Richtig man hat sowieso keinen Dank

    einklappen einklappen
  • Stefan am 11.02.2019 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    So ich sehe jetzt 3 Nachrichten auf einem Handy, geschrieben von einer Person. Die Vorgeschichten dazu kenn niemand außer den zwei Beteiligten. Wiedermal medial aufgebauscht....